Page 3 - Begegnungen-103
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Andacht
los in die alte Wohnung, sie suchten weg. Und habe es überlebt. Und bin jetzt
und fanden das Gewünschte. Allerdings so alt geworden ...“
konnte man kaum von einem „Brot“ Seine Kinder hatten still zugehört. Ihr Va-
sprechen, eher von einem fast schwar- ter hatte noch nie etwas davon erzählt.
zen und steinharten Etwas. „Der mir das Brot zusteckte, hat hastig
Ihr Vater dankte ihnen mit Tränen in den ein paar Worte gesagt. Ich konnte ihn
Augen, als sie es ihm gaben, nahm es nicht verstehen; fremde Sprache. Aber
vorsichtig in seine Hände, wickelte es es klang so freundlich und tat mir gut.“
aus und sah es lange still an. Ein schwarzes, steinhartes Etwas. Ein
Dann erzählte er ihnen die Geschichte Stück Jahrzehnte altes Brot.
dazu: In den letzten Tagen des 2. Welt- Ein Leib und Seele stärkendes Hoff-
kriegs, als junger Bursche von 17 Jah- nungsbrot. Immer noch.
ren, war er noch zum sogenannten
Volkssturm einberufen worden. Sehr Die Erinnerung an einen Moment freund-
schnell und zum großen Glück unver- licher, lebenswichtiger Zuwendung; an
letzt geriet er in Gefangenschaft, wur- einen Gruß in unbekannter Sprache, wie
de weit weg in den Osten gebracht und ein Segen.
mußte in einem Lager harte Waldarbeit Und nun, im Erzählen von all dem, diese
leisten. drei Worte: „Gott sei Dank!“
Die Versorgung mit ausreichend Nah- Mich hat es sehr berührt, von dieser „al-
rung war manchmal äußerst schlecht. ten Geschichte“ zu lesen. Sie kam und
Immer wieder brachen Menschen ent- kommt mir immer noch wie eine bibli-
kräftet zusammen; manche starben. Bei sche Wundergeschichte vor. Sie han-
irgendeinem Arbeitseinsatz steckte ihm delt von Not und von Hilfe in der Not,
ein Fremder, der wohl in einem der um- von Mitgefühl und tätiger Nächstenlie-
liegenden Dörfer lebte, ein Stück Brot be (über Sprachgrenzen und womöglich
zu. Aus Mitleid? über Kriegs- oder sogar Feinderfahrun-
„Es war fast frisch, und es roch so wun- gen hinweg). Und: sie läßt Gott zu. Im
derbar“, erzählte der alte Mann seinen Verständnis, in der Deutung seiner Er-
Kindern. „Ich habe mich hinter einen fahrung, im Glauben des altgewordenen
Stapel Stämme gehockt, geradezu ver- Mannes war Gott es, der letztlich das da-
steckt, und dann die eine Hälfte geges- mals Notwendige bewirkt hatte.
sen; nie hat mir Brot so gut geschmeckt. „Gott sei Dank!“ Mögen wir alle – irgend-
Die andere Hälfte aber habe ich aufge- wann einmal, wenn es nötig ist – so et-
hoben. Ich dachte, dass es gut wäre, was erleben können! Als solche, die be-
sie als einen kleinen Vorrat für noch kommen. Oder als solche, die abgeben.
schlechtere Tage zu bewahren. Aber die Dafür sind wir einander Mitmenschen.
Tage wurden nicht mehr schlechter, son- Und dafür können wir glauben.
dern langsam immer etwas besser, bis Ich grüße Sie alle sehr herzlich,
ich schließlich sogar nach Hause durfte.
- Gott sei Dank! Fast drei Jahre war ich Ihr Pfr. Jörg Deppermann
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